Aktualisierte Stellenausschreibung Peerberater*in / Projektorganisation (m/w/d)

Wir haben uns dazu entschlossen, die Stellenausschreibung zu verlängern und anzupassen: es können sich auch gerne Personen bewerben die sich noch in der Beratungsausbildung befinden oder zeitnah eine beraterische Ausbildung planen.

Wir, Trans*Recht e.V. Bremen, suchen ab sofort eine qualifizierte Person, die unser Team als Peerberater*in und Projektorganisator*in (nach Absprache 10-20 Wochen-Std.) unterstützt.

Als gemeinnütziger Verein bieten wir bereits seit einigen Jahren professionelle Peer- und Rechtsberatung für trans* Personen an und organisieren zahlreiche Projekte zu Empowerment, Sensibilisierung und Öffentlichkeitsarbeit für den Bereich Trans*. Außerdem arbeiten wir seit 2020 an der Einrichtung einer inter* Beratung in Bremen.

Im Jahr 2021 wollen wir unser Beratungsangebot erweitern und suchen daher ein*e Berater*in für Bremen-Nord und Bremerhaven.

Neben der beratenden Tätigkeit beinhaltet die Ausschreibung auch die Mithilfe bei der Realisation eines Projekts in der niedersächsischen Weser-Ems Region: “Trans* Kinder und Jugendliche im ländlichen Raum | Akzeptanz schaffen – Diskriminierung verhindern”.

Innerhalb des Projektes sollen Multiplikator*innen-Workshops vorbereitet, durchgeführt und nachbereitet werden, um so Sensibilisierungs- und Aufklärungsarbeit zu leisten.

Zusätzlich zu einer eigenen trans* Biographie sind folgende Qualifikationen für uns Grundvoraussetzung für die zu besetzende Stelle:

  • Abgeschlossene, begonnene oder zeitnah geplante beraterische Ausbildung, am liebsten systemisch
  • Bereitschaft zur Qualifikation in systemischer Beratung, falls nicht schon vorhanden
  • Abgeschlossenes Hochschulstudium, gerne Psychologie oder soziale Arbeit oder vergleichbare Qualifikation im psycho-sozialen Bereich und/oder Erfahrungen im Bereich der psychosozialen Beratung
  • Fachliches Wissen zu trans* Themen (grundlegende medizinische, rechtliche und soziale Aspekte)
  • reflektierte eigene Trans*Erfahrung
  • entpathologisierende und menschenrechtsorientierte Einstellung zu trans*
  • Bewusstsein für Diskriminierung und Machtstrukturen, Mehrfachmarginalisierung und Intersektionalität
  • Bewusstsein für die Heterogenität von trans* Erfahrungen, Distanzierungsfähigkeit zur eigenen trans* Erfahrung (Nicht-Direktivität)
  • EDV-Kenntnisse zur Erstellung von Dokumentationen, Präsentationen, statistischen Erfassung und Mailkorrespondenz (z.B. Microsoft Office)

Weiterhin wünschenswerte Qualifikationen sind:

  • Grundwissen zum Thema inter*
  • Kontakt zu bestehenden Selbsthilfestrukturen, Communitybildung
  • Erfahrung in der Arbeit mit Gruppen und Sensibilisierungsarbeit
  • Erfahrung in der Arbeit mit mehrfachdiskriminierten Gruppen (beispielsweise durch Rassismus, Alter, Behinderung)
  • Erfahrung in der Organisationsentwicklung
  • diskriminierungskritische Qualifikation (bevorzugt Anti-Bias-Ansatz)
  • Mediationsausbildung / Ausbildung in Methoden zur Konfliktbearbeitung
  • Gerne Zulassung als Heilpraktiker*in f. Psychotherapie

Im Gegenzug dazu bieten wir:

  • Ein wertschätzendes und unterstützendes Arbeitsumfeld
  • Die Vertiefung Deiner Kenntnisse in der trans*-Arbeit
  •  Eine Anbindung an die lokale Community
  •  Kostenübernahme bei Weiterbildungen
  • Eine abwechslungsreiche Tätigkeit
  • 6 Wochen Urlaub
  • Fahrtkosten zwischen Bremen und dem Einsatzort

Bewerbungen bitte bis 31. Januar 2021 nur elektronisch an info@trans-recht.de
Die Vorstellungsgespräche sind für die erste Hälfte Februar 2021 geplant.

Bewerbungen von mehrfachmarginalisierten trans* Personen (z.B. Trans* mit Behinderung, of Color, jüngere/ältere Trans* etc.) erwünscht. Bei Fragen könnt ihr gerne Maike unter info@trans-recht.de anschreiben.

Weitere Informationen: trans-recht.de

Aufgrund der Tatsache, dass es sich um eine Peerberatung handelt, können wir nur Bewerbungen von trans* Menschen berücksichtigen. Bei gleicher Qualifikation werden trans*männliche Personen bevorzugt, weil wir uns nach unserem Vereinsgrundsatz bemühen, möglichst ein Gleichgewicht zwischen trans*männlichen, trans*weiblichen und non-binären Perspektiven zu schaffen und wir zum jetzigen Zeitpunkt im beraterischen Kontext keine trans*männliche Person beschäftigen.

Die Stellenanzeige als PDF zum Download

Stellenausschreibung Peerberater*in / Projektorganisation (m/w/d)

Wir, Trans*Recht e.V. Bremen, suchen ab sofort eine qualifizierte Person, die unser Team als Peerberater*in und Projektorganisator*in (nach Absprache 10-20 Wochen-Std.) unterstützt.

Als gemeinnütziger Verein bieten wir bereits seit einigen Jahren professionelle Peer- und Rechtsberatung für trans* Personen an und organisieren zahlreiche Projekte zu Empowerment, Sensibilisierung und Öffentlichkeitsarbeit für den Bereich Trans*. Außerdem arbeiten wir seit 2020 an der Einrichtung einer inter* Beratung in Bremen.

Im Jahr 2021 wollen wir unser Beratungsangebot erweitern und suchen daher ein*e Berater*in für Bremen-Nord und Bremerhaven.

Neben der beratenden Tätigkeit beinhaltet die Ausschreibung auch die Mithilfe bei der Realisation eines Projekts in der niedersächsischen  Weser-Ems Region: “Trans* Kinder und Jugendliche im ländlichen Raum | Akzeptanz schaffen – Diskriminierung verhindern”.

Innerhalb des Projektes sollen Multiplikator*innen-Workshops vorbereitet, durchgeführt und nachbereitet werden, um so Sensibiliserungs- und Aufklärungsarbeit zu leisten.

Zusätzlich zu einer eigenen trans* Biographie sind folgende Qualifikationen für uns Grundvoraussetzung für die zu besetzende Stelle:

  • Zertifizierung als systemische*r Berater*in oder Therapeut*in (SG oder DGSF) oder eine andere durch einen Mitgliedsverband der Deutschen Gesellschaft für Beratung (DGfB) zertifizierte beraterische Ausbildung und Kenntnisse des systemischen Beratungsansatzes.
  • Erfahrungen im Bereich Peer- und/oder Psycho-Sozial-Beratung
  • Abgeschlossenes Hochschulstudium, gerne Psychologie oder soziale Arbeit oder vergleichbare Qualifikation im psycho-sozialen Bereich
  • Fachliches Wissen zu trans* Themen (grundlegende medizinische, rechtliche und soziale Aspekte)
  • reflektierte eigene trans* Erfahrung
  • entpathologisierende und menschenrechtsorientierte Einstellung zu trans*
  • Bewusstsein für Diskriminierung und Machtstrukturen, Mehrfachmarginalisierung und Intersektionalität
  • Bewusstsein für die Heterogenität von trans* Erfahrungen, Distanzierungsfähigkeit zur eigenen trans* Erfahrung (Nicht-Direktivität)
  • EDV-Kenntnisse zur Erstellung von Dokumentationen, Präsentationen, statistischen Erfassung und Mailkorrespondenz (z.B. Microsoft Office)

Weiterhin wünschenswerte Qualifikationen sind:

  • Grundwissen zum Thema inter*
  • Kontakt zu bestehenden Selbsthilfestrukturen, Communitybildung
  • Erfahrung in der Arbeit mit Gruppen und Sensibilisierungsarbeit
  • Erfahrung in der Arbeit mit mehrfachdiskriminierten Gruppen (beispielsweise durch Rassismus, Alter, Behinderung)
  • Erfahrung in der Organisationsentwicklung
  • diskriminierungskritische Qualifikation (bevorzugt Anti-Bias-Ansatz)
  • Mediationsausbildung / Ausbildung in Methoden zur Konfliktbearbeitung
  • Gerne Zulassung als Heilpraktiker*in f. Psychotherapie

Im Gegenzug dazu bieten wir:

  • Ein wertschätzendes und unterstützendes Arbeitsumfeld
  • Die Vertiefung Deiner Kenntnisse in der Trans*-Arbeit
  • Eine Anbindung an die lokale Community
  • Kostenübernahme bei Weiterbildungen
  • Eine Abwechslungsreiche Tätigkeit
  • 6 Wochen Urlaub
  • Fahrtkosten zwischen Bremen und dem Einsatzort

Bewerbungen bitte bis 15. Januar 2021 nur elektronisch an info@trans-recht.de Die Vorstellungsgespräche sind für die zweite Hälfte Januar 2021 geplant. Bewerbungen von mehrfachmarginalisierten trans* Personen (z.B. Trans* mit Behinderung, of Color, jüngere/ältere Trans* etc.) erwünscht.  Bei Fragen könnt ihr gerne Maike unter info@trans-recht.de anschreiben. Weitere Informationen: trans-recht.de

 

Aufgrund der Tatsache, dass es sich um eine Peerberatung handelt, können wir nur Bewerbungen von trans* Menschen berücksichtigen. Bei gleicher Qualifikation werden trans*männliche Personen bevorzugt, weil wir uns nach unserem Vereinsgrundsatz bemühen, möglichst ein Gleichgewicht zwischen trans*männlichen, trans*weiblichen und non-binären Perspektiven zu schaffen und wir zum jetzigen Zeitpunkt im beraterischen Kontext keine trans*männliche Person beschäftigen.

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Wir sind erreichbar

Wir wissen, dass Weihnachten gerade für queere Personen oft keine einfache Zeit ist. Der bevorstehende “harte Lockdown” macht es nicht einfacher.

Daher ist die Trans*Beratung bei Krisensituationen auch an den Feiertagen telefonisch unter 0160-5889070 erreichbar.
Wir lesen auch unsere E-Mail.

Heiligabend: 18.00 bis 22.00

1. Weihnachtstag: 10.00 bis 12.00 | 17.00 bis 20.00

2. Weinachststag 10.00 bis 12.00 | 18.00 bis 20.00

Zwischen den Jahren sind wir telefonisch und per E-Mail normal erreichbar.
Wir wünschen euch allen möglichst angenehme Feiertage und einen guten Rutsch ins neue Jahr.

Landesrektorenkonferenz Bremen – Unsere Einschätzung zur Namensänderung ohne VÄ/PÄ

Wir haben in den letzten Wochen mitbekommen, dass die Landesrektorenkonferenz der Bremer Hochschulen über die Möglichkeit einer Selbstbestimmten Namensänderung an Bremer Hochschulen beraten möchte.

Das begrüßen wir natürlich, da auch wir immer wieder fragen zum Thema bekommen und es bisher keine akzeptable allgemeine Regelung an allen Hochschulen im Land Bremen zu geben scheint.

Dazu haben wir eine Einschätzung an die Landesrektorenkonferenz geschickt, diese könnt ihr entweder hier als PDF herunterladen oder im folgenden als Text lesen:

 

Sehr geehrte Mitglieder der Landesrektorenkonferenz,

wir haben in den letzten Wochen mitbekommen, dass auf der Ladensrektorenkonferenz am 07.12.2020 über einheitliche Regeln zur selbstbestimmten Änderung des Vornamens, der Anrede und des Geschlechts von Studierenden und Angestellten der Bremer Hochschulen beraten werden soll.

Darum möchten wir Ihnen hiermit unsere Einschätzung und Material für die Beratung mit auf den Weg geben. Dabei konzentrieren wir uns vor allem auf die Studierenden im Land Bremen.

Die Frage, ob und in welchem Umfang trans*, inter und nicht-binäre Menschen im Hochschulkontext benachteiligt und diskriminiert werden, werden wir dabei nicht erörtern. Wir setzen voraus, dass sich die Landesrektorenkonferenz damit beschäftigt hat und zum selben Schluss kommt wie wir: Es gibt eine Diskrimnierung und systematische, struktuell bedingte Benachteiligung trans*, inter und nicht-binären Menschen an Hochschulen.

Um allen Studierenden gleichermaßen gute Studienbedingungen zu gewähren, sind Barrieren, die Diskriminierung fördern und die die Gesundheit oder Teilhabe gefährden unbedingt abzubauen.

Im aktuellen Fall der Korrektur von Namen, Anrede und Geschlechtseintrag wird die Diskriminierung vor allem durch die Gesetzgebung des Bundes hervorgerufen, gleichzeitig bietet die aktuelle Rechtslage, das Namensrecht, ausreichend Freiraum und erlaubt eine selbstgewählte Vornamensführung ohne eine vorherige Registerdatenänderung/-korrektur. Des Weiteren ist die Selbstorganisation der Hochschulen ausreichend geschützt und rechtlich abgesichert, um die gleichen Zugangsvoraussetzung für trans*, inter und nicht-binäre Studierende und aller anderen, die über ihren eigene Vornamen im Alltag entscheiden, durch entsprechende eigene Regelungen zu schaffen.

Mit dem bestehenden Sachverhalt beschäftigen sich seit mehreren Jahren verschiedene Stellen, wir stützen uns daher vor allem auf die Handlungsempfehlungen der Bundeskonferenz der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten an Hochschulen (bukof).

Die Sachlage wurde innerhalb der bukof auf der Grundlage der aktuellen Forschungslage erörtert, es wurden Interessen- und Betroffenenverbände mit einbezogen und es gab eine umfassende Einschätzung der rechtlichen Rahmenbedingungen in Deutschland.

Daher empfehlen wir nachdrücklich, den Handlungsempfehlungen der bukof zu folgen, um die Geschlechtervielfalt an Hochschulen in Bremen zu stärken und sichtbar zu machen.

Die gesammelten Handlungsempfehlungen finden sie unter:

https://bukof.de/service/handlungsempfehlungen-fuer-geschlechtervielfalt-an-hochschulen/

Besonders hervorheben möchten wir die folgenden Handlungsempfehlungen:

  1. Allen Mitgliedern und Angehörigen einer Hochschule, deren Namen und Geschlecht von dieser erfasst und verwaltet werden, muss die Möglichkeit offenstehen, Namen und Geschlechtseintrag zu ändern.
  2. Das Verfahren für Änderungen des Namens und des Geschlechtseintrags an Hochschulen erfolgt möglichst barrierearm, transparent und mit geringem bürokratischem Aufwand. Stets zu beachten ist dabei das Recht auf geschlechtliche Selbstauskunft der betreffenden Personen.
  3. Ein Antrag auf Namensänderung kann jederzeit ohne Voraussetzung gestellt werden. Dabei sollte der Weg Studierenden und Mitarbeitenden der Bremer Hochschulen gleichermaßen offen stehen.
  4. Die Namensänderung basiert allein auf der Selbstaussage der antragstellenden Person, ist also auch ohne amtliche Änderung nach TSG, § 45b PStG, NamÄndG und auch ohne Ergänzungsausweis (dgti) möglich.
  5. Das Verfahren zur Änderung des Namens und des Geschlechtseintrags ermöglicht es der Hochschule und den Antragstellenden, dass alle zu einer Person gehörenden Daten und Dokumente innerhalb der Hochschule einheitlich unter dem richtigen (“neuen”) Namen geführt werden.
  6. Zeugnisse und Urkunden werden (auch nachträglich) auf den im Rahmen einer Änderungsanzeige angegebenen Namen ausgestellt.
  7. Hochschulinterne Informationsverwaltungssysteme sowie Lehr- und Lernsysteme werden auf Geschlechtervielfalt umgestellt.
  8. Digitale Erfassungssysteme bieten neben den Einträgen „männlich“ und „weiblich“ mindestens auch die Optionen „divers“ und „keine Angabe“ und entsprechende Anrede-Optionen (Herr/Frau/Guten Tag) oder verwenden für alle Personen Anreden ohne Geschlechterbezug (“Guten Tag”).

Alle Handlungsempfehlungen sollten dabei schon im Bewerbungsprozess greifen, so dass ggf. gar nicht erst falsche (“alte”) Namen in der Datenerfassung abgefragt werden. Es sollte unbedingt verhindert werden, dass nicht mehr verwendete Namen rückverfolgt werden können.

Außerdem sollten die Informationen zur Namens-, Geschlechts und Anredeänderung für Studierende oder Studieninteressierte sowie Beschäftigte in Forschung, Lehre und Verwaltung öffentlich einsehbar und leicht aufzufinden sein.

Lösungen, die nur “intern” oder nur für einen Teil der Dokumente Verbesserungen der Diskriminierungssituation herstellen, sind keine adäquate Lösung für Bildungszugang, Teilhabe und Gesundheitsschutz der betroffenen Personen, und sind daher nicht Teil unsere Handlungsempfehlungen oder der Handlungsempfehlungen der bukof.

Zur Rechtssicherheit der Handlungsempfehlungen möchten wir im Folgenden ergänzend auf verschiedene Fachbeiträge dazu verweisen:

Das Bundesfamilienministerium, welches zwischen 2014 und 2017 die Grundlagen für die anstehende Neuregelung der gesetzlichen Rahmenbedingungen in einem interministeriellen Prozess zusammgetragen und erörter hat, erklärt in seiner Informationsplattform  “Regenbogenportal”: Es gibt keine Pflicht im Alltag, jenen Vornamen zu verwenden und jenes Geschlecht anzugeben, welcher bzw. welches im Personenstandsregister eingetragen ist.

Auch Kauf-, Miet- oder Arbeitsverträge können mit selbst gewähltem Vornamen unterschrieben werden, ohne dadurch an Gültigkeit zu verlieren.

Überhaupt gibt es nur wenige Ausnahmefälle, in denen der gesetzliche Name verwendet werden muss – nämlich wenn vor Gericht, gegenüber Polizei, Behörden oder einer_einem Notar_in die Identität einer Person festgestellt werden soll.

(Quelle: https://www.regenbogenportal.de/informationen/vornamen-und-geschlechtseintrag-aendern-alternativen-zum-tsg)

Darüber hinaus hat die vom BMFSFJ in diesem Informationsbeitrag referenzierte Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS Bund) schon 2016 eine auf die Hochschulen und ihre Pflichten und Aufgaben fokussierte rechtliche Einschätzung zur Verfügung gestellt. Darin heißt es:

“In internen Angelegenheiten kann die Hochschule ohne rechtliche Bedenken den selbst gewählten Namen einer trans*Person anstelle des amtlichen Vornamens verwenden. Hierzu zählen alle Angelegenheiten, die innerhalb der Hochschule bleiben und keine Außenwirkung entfalten sollen, etwa die Anrede in E-Mails, die Immatrikulation oder Führung von Hochschulunterlagen.”

Im Weiteren werden die möglichen Tatbestände von Urkundenfälschung, Falschbeurkundung, bis Betrug beleuchtet, wenn es um Studierendenausweise und Zeugnisse oder Abschlussurkunden geht. Diese Tatbestände werden ch die Verwendung eines anderen Vornamens, als im Personenstandsregister zur Zeit der Ausstellung staatlicherseits geführt wurde.

Das Fazit des ADS-Fachbeitrags lautet:

“Festzuhalten bleibt, dass für die Hochschule grundsätzlich keine rechtlichen Bedenken dagegen bestehen, bei trans*Studierenden vollumfänglich deren selbst gewählten, (noch) nicht amtlich geänderten Vornamen zu verwenden.

Für die konkrete Schaffung entsprechender Richtlinien erscheint letztlich aber eine Absprache der Hochschulen mit dem Senat in Berlin beziehungsweise den jeweils zuständigen Landesministerien interessen- und sachgerecht.”

(Quelle: http://www.antidiskriminierungsstelle.de/SharedDocs/Downloads/DE/Literatur_Bildung/Name_Trans_Studierende.pdf)

Ausgehend von den Handlungsempfehlungen der bukof, den Rechtseinschätzungen der ADS und des BMFSFJ und unserer eigenen Erfahrungen und Expertise zum Thema empfehlen wir der Landesrektorenkonferenz Bremen folgende Schritte:

  • So noch nicht im Vorfeld der LRK geschehen: Prüfung der technischen Umsetzbarkeit der bukof-Lösungen
  • Rückmeldung an uns über das Ergebnis der Landesrektorenkonferenz
  • Planung und Umsetzung der Handlungsempfehlungen mit allen Beteiligten an den jeweiligen Hochschulen und transparente, öffentliche Information über gesteckte Ziele, die Planung im groben Umriss und Stand der Umsetzung.

Ein in Bremen geltender Standard für alle Hochschulen und eine schnelle Umsetzung (das AGG ist seit 2006 in Kraft, das Personenstandsrecht wurde 2013/2018 ergänzt) sollte unseres Erachtens Ziel des Prozesses sein. Wenn Sie Fragen haben oder bei der Umsetzung der Handlungsempfehlungen Unterstützung wünschen, sind wir bereit unsere Erfahrungen und Expertise einzubringen oder Ihnen entsprechende Fachleute zu empfehlen.

 

Mit freundlichen Grüßen

Trans*Recht e.V.

Bremen den 01.12.2020

 

 

Trans* in Beziehung – Selbsterfahrungswochenende zum Thema Körperlichkeit und Sexualität

Samstag 7.11.2020 und Sonntag 8.11.2020 jeweils von 14 bis 18 Uhr – online

Mit K* Stern und Ines Voigts.

Dieses Wochenende richtet sich an Paare und andere Beziehungskonstellationen, bei denen mindestens eine Person trans*, nichtbinär oder gendernonkonform ist. Alle sexuellen Orientierungen, Beziehungskonstellationen und Gender-Identitäten sind willkommen, unabhängig davon an welchem Punkt ihres (Transitions)Weges sie sich befinden. Wir wenden uns den The­men Lust und Sexualität_en in einem achtsamen Rahmen und in klei­ner Gruppe zu:

  • Was bedeutet Lust für mich? Wie zeigt sie sich in unserer Beziehung?
  • Wo erleben wir Lust und Neugierde, wo Frust und Schmerz?
  • Wie kann ich mich für mich selbst und mein Gegenüber öffnen?
  • Was wünsche und ersehne ich mir in unserer Beziehung?
  • Wie kommuniziere ich Grenzen und Wünsche?

Wir setzen uns gemeinsam mit diesen und ähnlichen Fragen ausein­ander, um der Lust auf die Spur zu kommen. Das Seminar ist erfahrungsorientiert: Kreative und körperthe­rapeutische Methoden, Bewegung, angeleitete Massagen, Übungen zur Selbstreflexion, Austausch im Paar und in der Gruppe.

Der Fokus liegt auf der Entfaltung der eigenen Erlebnisfähigkeit und dem Erkun­den eigener Wünsche und Bedürfnisse. Vorerfahrungen sind nicht notwendig, alle Übungen finden bekleidet statt. Alle Übungen sind trans*/nichtbinaritäts-sensibel konzipiert. Alle Teilnehmenden werden ermutigt selbst zu entscheiden wie sie die Übungen für sich gestalten und ggf. uminterpretieren. Neugier auf sich selbst und die eigene Beziehung ist günstig.

Praktische Infos:

  • Das Seminar findet online statt. Ihr könnt ein Tablet oder einen Laptop benutzen. Der Zoom-Raum ist ab 13.45 Uhr geöffnet, damit ihr die Technik ausprobieren könnt.
  • Wir behalten die Sicherheit des Zoom-Raumes natürlich im Auge, um allen eine ungestörte Teilnahme zu ermöglichen. Das Webinar wird durch ein Passwort geschützt sein. Bitte bemüht euch pünktlich zu sein, damit wir nach Veranstaltungsbeginn den Zoom-Raum für ungebetene Gäste sperren können.
  • Voraussetzung für die Teilnahme ist, dass ihr euch als Paar/Beziehungspersonen gemeinsam in einem Raum vor einem Gerät befindet, damit ihr die Körperübungen ausprobieren könnt.
  • Zieht euch in einen Raum zurück, in dem ihr ungestört sein könnt.
  • Zieht gern bequeme Kleidung an und stellt euch etwas zu trinken bereit.
  • Wenn während des Workshops Menschen online per Video zu sehen sind, entsteht oftmals mehr Gruppengefühl. Ihr könnt für euch selbst entscheiden, ob ihr während des Workshops eure Videokamera anlasst, so dass die anderen euch und den Raum, in dem ihr seid sehen können.
  • Wir stehen, sitzen und liegen. Wenn es in eurem Raum möglich ist, schaut, dass ihr ausgestreckt auf dem Boden liegen könnt. Legt euch dafür eine weiche Unterlage bereit (z.B. Teppich, Isomatte, Decke, Handtuch).
  • Für die Selbstreflexion kann es hilfreich sein, sich Schreibmaterial bereitzulegen.

Anmeldung:

Die Plätze sind begrenzt auf maximal 6 Paare/12 Teilnehmende.
Bitte meldet euch nicht allein an, sondern mindestens zu zweit als Paar/Beziehung.
Die Veranstaltung wird finanziert von Trans*Recht e.V.  Zur Anmeldung ist eine Gebühr von 15€ pro Paar/Beziehung erforderlich. Fragen und Anmeldung bitte per Mail an anmeldung@trans-recht.de

Über uns:

K* Stern ist Heilpraktiker_in für (Körper)Psychotherapie. Mehrjährige Erfahrung in der Trans*Beratung für Trans*Recht e.V. und für das Magnus-Hirschfeld-Centrum Hamburg. Begleitet und berät Einzelpersonen und Paare in freier Praxis in Hamburg. Gibt Workshops, Seminare und Fortbildungen für trans* und nichtbinäre Menschen, An- und Zugehörige, Fachkräfte und Gruppen zu den Themen Gesundheit, Geschlechtsidentität, Körper, Sexualität und Beziehung.

www.praxis-kstern.de | instagram.com/ksternhamburg  | facebook.com/ksternhamburg

Ines Voigts arbeitet als Sexualpädagogin/-therapeutin, Heilpraktikerin und körperorientierte Kunsttherapeutin in Hamburg. Ist zusätzlich weitergebildet in Traumatherapie, Meditation & Achtsamkeit, Tantra & Körperarbeit. Begleitet Einzelpersonen und Paare in eigener Praxis und gibt Fortbildungen und Seminare zu den Themen Selbstliebe, Sexualität und Partner*innenschaft. www.lustvollsein.de

 

25.10.2020 – Körpererfahrungsworkshop für trans* und gender non-konforme Menschen & friends – Fokus Präsenz und sinnliches Selbst

25.10.2020 “Körpererfahrungsworkshop für trans* und gender non-konforme Menschen & friends – Fokus Präsenz und sinnliches Selbst”
mit Alexander Hahne

Sonntag 25.10.2020 von 13-18 Uhr in der Etage Bremen, Ebenerdiger Zugang.

In diesem 5 ­stündigen Workshop kannst du dein sinnliches Selbst erforschen und den Körper in Präsenz erleben. Dich in Ruhe und Bewegung spüren und kennen zu lernen. Es wird keinen Körperkontakt geben. Der Fokus des Seminars wird körperliche Präsenz und sinnliches Selbst sein. Wie verändert sich deine körperliche Präsenz bei zB verschiedenen Körperhaltungen. Wie ist es für dich deinen Körper lustvoll zu genießen und zu betrachten? Wie fühle ich mich Innen und wie wirke ich nach Außen? Wir werden verschiedene Übungen aus der Körperarbeit, Selbst-Massage und Tanz durchführen und unserer Präsenz ein Stück näher kommen. Wir sind die gesamte Zeit bekleidet und es wird keinen Körperkontakt mit anderen geben. Zwischen den bewegten Einheiten gibt es immer wieder angeleitete Phasen zur Selbstreflexion. Wir werden überwiegend in Stille und Bewegung sein, zwischendurch wird es Momente des sprachlichen Austausches geben. Durch körperpraktisches Erleben nähern wir uns unserem Körper, unserer Präsenz und unserem sinnlichen Selbst an und nehmen unseren Körper explizit wahr.

Der Workshop ist für alle trans* und gender non-konformen Menschen & Friends offen. Du entscheidest selbst, wie weit und wie intensiv du dich und deinen Körper erkunden möchtest. Melde deine*n Freund*in bei deiner Anmeldung einfach mit an.

Alexander Hahne, Hamburg
MA. BSc. Medientechnik, Sexualpädagoge (gsp) und Bodyworker, Sexological Bodyworker (i.A.). Leiter von Workshops rund um die Themen Körpererfahrung und Bewegung, Referent für trans* spezifische Sensibilisierungsarbeit. Langjährige Erfahrung und Fortbildung in Tanz und kreativen Ausdrucksformen (u.a. Ballett, New Dance, Kontaktimprovisation, Butoh, Body-Mind-Centering, Kickboxen, Mixed-Martial-Arts).
www.alexanderhahne.com

Wann: Sonntag 25.10.2020 von 13-18 Uhr
Wo: Etage Bremen, Herdentorsteinweg 37, Barrierefreier Zugang
Bitte anmelden: anmeldung[at]trans-recht(punkt)de – begrenzte Plätze.

Montag 24.08.2020, 19:00Uhr Online Vortrag: Geschlechtliche Vielfalt im Recht – Das Personenstandsrecht nach der Aktion Standesamt, § 45b PStG, schrecklichen BGH-Urteilen und einer hoffnungsvollen Verfassungsbeschwerde

Information zur Anmeldung: siehe unten.
Termin: 24.08.2020 – 19:00Uhr
Geschlechtliche Vielfalt im Recht – Das Personenstandsrecht nach der Aktion Standesamt, § 45b PStG, schrecklichen BGH-Urteilen und einer hoffnungsvollen Verfassungsbeschwerde

 

Mit der Einführung der dritten Option “divers” im Personenstandsrecht ist viel Bewegung in die Anerkennung nicht-binärer Menschen gekommen. Auch der Zugang zu Vornamens- und Personenstandsänderungen binärer Trans* und intergeschlechtlicher Männer und Frauen schien sich zwischenzeitlich deutlich zu verbessern. Dem setzte ein mehr als rückschrittiges, sprachlich wie inhaltlich herabwürdigendes Urteil des Bundesgerichtshof im Frühjahr dieses Jahres ein jehes Ende. Doch Hoffnung speist sich aus einer im Juni erhobenen Verfassungsbeschwerde beim Bundesverfassungsgericht und leisen Anzeichen in Richtung eines neuen parlamentarischen Gesetzes.
Der Input fasst die rechtlichen Geschehnisse für alle verständlich zusammen. Einen ersten Schwerpunkt liegt auf der Darstellung des umstrittenen BGH-Urteils und welche Auswirkungen das jetzt für anstehende Änderungsverfahren hat. Im zweiten Schwerpunkt wird die Verfassungsbeschwerde und die Grundrechtsargumentation für einen selbstbestimmten Geschlechtseintrag vorgestellt. Im Anschluss besteht die Möglichkeit, der politischen wie alltagspraktischen Diskussion und selbstverständlich für alle Fragen, die Euch umtreiben! – Auf Wunsch & bei verbleibender Zeit kann ergänzend gerne etwas zu Euren Rechten in Schule, Uni, Arbeitsplatz, online-Shopping, Versicherungen… sprich ganz Diskriminierungssituationen aus Eurem Alltag und wie ihr Euch wehren könnt, gesagt werden.

 

In Kooperation mit dem Autonomen Feministischen Referat der Universität Bremen und der Aktion Standesamt.

 

Die Veranstaltung läuft als Online-Vortrag über Zoom, eine Anmeldung ist unbedingt erforderlich:
Anmeldung unter: anmeldung@trans-recht.de

BGH Urteil zu 45b, Menschenrechts-verletzend und ein Rückschritt für inter* und trans*Personen

Liebe Community,

der Bundesgerichtshof traf am 22. April 2020 die Entscheidung, § 45b des Personenstandsgesetzes ausdrücklich auf inter* Personen zu beschränken. Bei der Personenstandsänderung von trans* Personen soll wie vor 2019 nun nur noch ein TSG-Verfahren möglich sein. Dieses Verfahren ist aus unserer Sicht menschenrechtsverletzend und gehört längst abgeschafft.

Über den § 45 b war es vielen trans* Menschen gelungen, ihre Personenstandsänderung ohne zum Teil herabwürdigende und fremdbestimmende Begutachtungen durchzusetzen und ohne die hohen Kosten des TSG-Verfahrens tragen zu müssen. Diese Möglichkeit fällt jetzt weg. Ob bereits genehmigte Personenstandsänderungen von trans* Personen über § 45b nachträglich für ungültig erklärt werden, lässt sich leider derzeit noch nicht abschätzen.

Auch die Personenstandsänderung nach §45 b ist weit weg von einer Selbstdefinition der eigenen Geschlechtszugehörigkeit. Die geforderten ärztlichen Atteste schreiben die Deutungshoheit über Geschlecht der Medizin zu und setzen damit die Tradition einer Pathologisierung von Inter*Geschlechtlichkeit fort. Gegenüber einem TSG-Verfahren war es nichtsdestotrotz für viele trans* Personen der Weg der geringeren Diskriminierung.

Das Urteil des BGH stellt für unsere Community einen Rückschritt dar und treibt einen Keil zwischen die Interessen von trans* und inter* Personen. Wir verurteilen diese Entwicklung aufs Schärfste. Hierdurch entsteht nicht nur soziales Ungleichgewicht, sondern es wird eine Politik der Fremdbestimmung und Pathologisierung von Trans*- und Inter*Geschlechtlichkeit forciert. Jeder Mensch hat ein Recht auf Identität. Das beinhaltet insbesondere auch die Selbstdefinition der Geschlechtszugehörigkeit. Dazu braucht es weder ärztliche Atteste noch psychologisch-psychiatrische Gutachten.

An dieser Stelle müssen wir leider die Empfehlung aussprechen, dass diejenigen trans* Personen, deren Antrag nach 45b abgelehnt wird, sich entweder in Geduld und Ausdauer üben oder es doch über das inakzeptable TSG-Verfahren probieren. Wir werden uns in jedem Fall weiter dafür einsetzen, dass die Namens- und Personenstandsänderung in Zukunft ohne Fremddiktat durch Ärzt*innen und Richter*innen möglich sein wird.

Solltet ihr fragen zur Personenstandsänderung in eurem Fall haben, nutzt gerne unser Beratungsangebot in Bremen oder der Weser-Ems-Region.

IDAHOBIT* Diskriminierungsfreie Gesellschaft immer noch eine Utopie

Liebe Community,

wie in jedem Jahr zelebrieren wir heute den internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie (IDAHOBIT). An diesem Tag wollen wir feiern, was national und international gegen die Diskriminierung unserer Community erreicht werden konnte, aber auch den Blick auf jene Winkel der Gesellschaft werfen, in denen uns immer noch mit Unverständnis, Diskriminierung, Ausgrenzung und Hass begegenet wird.

Viele von euch wissen vielleicht, dass der Bremer Martini-Pastor, Olaf Latzel, vor wenigen Wochen in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt wurde, weil er sich über die inzwischen 13 Jahre seines Kirchenamts hinweg immer wieder in heftiger Weise homo- und transfeindlich geäußert hat. Dieses Beispiel steht symptomatisch für eine Haltung, die leider noch allzu weit verbreitet ist und neben der Kirche auch in vielen anderen Zweigen des öffentlichen Lebens noch verbreitet ist.

Pastor Latzel lehnt nicht nur in vollkommen rückständiger Art und Weise die Frauenordination in der evangelischen Kirche ab und vertritt klar anti-islamische Positionen, sondern äußert sich immer wieder mit großer Hartnäckigkeit vor allem gegen Schwule, Lesben und trans* Personen. 

Er spricht sich nicht nur seit Jahren für die Konversionstherapie aus, sondern bezeichnete in einem “Eheseminar” die Organisator*innen des Bremer CSD als “Verbrecher” und Homosexualität als “todeswürdiges Verbrechen”. Die Debatte um geschlechtliche Vielfalt tut er als “Gender-Dreck” ab. Auch setze er in einem Statement die Beziehung zwischen zwei Männern mit Zoophilie, also der sexuellen Hingezogenheit zu Tieren gleich. 

Latzel ist ein Pastor, der LGBTIAAQ+-Menschen, BIPOCs und Frauen diskriminiert, der gegen Abtreibung prädigt und sich deutlich gegen andere Religionsgemeinschaften ausspricht. Dies ist Gift für unsere moderne Gesellschaft und wir müssen uns dagegen wehren. 

Mittlerweile wurde bereits Strafanzeige gegen Olaf Latzel gestellt, es läuft ein Disziplinarverfahren der Bremischen Evangelischen Kirche gegen ihn und in mehreren Petitionen wurde versucht, eine Amtsenthebung zu erwirken. Bisher vergeblich. In einer Stellungnahme vom heutigen Morgen stellte der Vorstand der Martinikirche klar, eine Sanktionierung Latzels abzulehnen und im Falle einer Amtsenthebung Latzels dagegen protestieren zu wollen. Der Kirchenvorstand verwies darauf, dass gelebte Homosexualität laut “biblischer Schöpfungsordnung” ein “Greuel und schwere Sünde vor Gott” sei und bezeichnete die Ablehnung ebendieser Ordnung als Angriff auf Gott selbst. Praktizierte Homosexualität sei gegen den Willen Gottes. Die Öffnung anderer Kirchengemeinden gegenüber gleichgeschlechtlicher Liebe bezeichnete der Sprecher als “geistliche Auflösung”. Die Vorstellung, es gebe geschlechtliche Vielfalt abseits der binären Kategorien (cis-)Mann und Frau, sei ein “Diktat der gottlosen Genderideologie” und für die Gemeinde St. Martini undenkbar. Deutschland sei ein “heidnisches Land”, ein gottloses Land, und die Protestierenden, die sich in den letzten Wochen durch verschiedene Aktionen gegen die Hassreden des Pastors zur Wehr gesetzt haben, seien die wahren Täter*innen.

Diesen Umstand wollen wir als Verein und als Vertreter*in unserer Community nicht akzeptieren.  Wir appellieren an die Bremische Evangelische Kirche, Pastor Latzel keine weitere Möglichkeit mehr für Hasspredigten zu geben. 

Unsere Reaktion auf den Artikel im Weser-Kurier am 02.02.2020

Am 02.02.2020 hat der Weser-Kurier folgenden Artikel veröffentlicht:
Das war unsere Reaktion an die Verantwortliche Journalistin
Liebe Frau Röhling,
wir haben uns sehr gefreut, kürzlich ihren fertigen Artikel zu lesen. 
In weiten Teilen waren wir sehr mit Ihrer Darstellung einverstanden, uns sind aber ein paar Einzelheiten aufgefallen, die wir gerne anmerken würden. 
Sie beschreiben in Ihrem Artikel “beide Geschlechter” oder “die zwei biologischen Geschlechter”. Dies empfinden wir aus zwei Gründen als problematisch: Zum einen exkludiert diese Grundannehmen viele inter* Personen, die eben nicht XX- oder XY-Chromosome haben oder auf anderen Ebenen nicht den gängigen biologisch-medizinischen Grunderwartungen an männlich/weiblich entsprechen. Wegen des gesellschaftlichen Zwangs nach “eindeutiger Zuordenbarkeit” zu einem von nur zwei Geschlechtern, nehmen Ärzt*innen auch heutzutage noch sehr häufig genitalangleichende Maßnahmen bei Säuglingen vor. Diese Praxis kann nur aufhören, wenn in der breiten Bevölkerung das Bewusstsein geschaffen wird, dass “geschlechtliche Eindeutigkeit” zunächst einmal eine Erwartung und keine biologische Tatsache ist und dass alle geschlechtlichen Variationen (sichtbar und/oder seelisch) vollkommen akzeptable Normvarianten, nicht -abweichungen (und damit Krankheiten) sind. 
Andererseits betrachten wir generell eine biologistische Sicht auf Geschlecht kritisch, schon allein, weil geschlechtsspezifische Rollenerwartungen und -bilder in großen Teilen sozio-kulturell bedingt und anders als oft angenommen nicht “naturgegeben” sind. Sogar die Auffassung davon, wie viele Geschlechter existieren, kann je nach Kulturkreis und Geschichtsabschnitt stark variieren. Die Festlegung auf genau zwei zugrundeliegende Varianten empfinden wir als willkürlich, genitalfixiert und exkludierend. 
Darüber hinaus möchten wir kurz anmerken, dass wir zwar erklärte Allies der inter* Community sind, aber inter* als Verein nicht offiziell vertreten. Das ist deshalb so, weil wir es wichtig finden, dass Beratung und öffentlich wirksame Darstellungen dieser Community in den Händen von Peers, also betroffenen Personen, liegen sollte. Diese wissen oft viel besser über ihre communityinternen Bedürfnisse bescheid und haben ein Anrecht darauf, ihre öffentliche Präsenz selber zu gestalten.
Wir hoffen, Sie können mit unseren Anmerkungen etwas anfangen, und freuen uns über einen ausführlicheren Dialog, wenn von Ihrer Seite aus Interesse besteht.
Herzliche Grüße
Der Vorstand Trans*Recht e.V.