IDAHOBIT* Diskriminierungsfreie Gesellschaft immer noch eine Utopie

Liebe Community,

wie in jedem Jahr zelebrieren wir heute den internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie (IDAHOBIT). An diesem Tag wollen wir feiern, was national und international gegen die Diskriminierung unserer Community erreicht werden konnte, aber auch den Blick auf jene Winkel der Gesellschaft werfen, in denen uns immer noch mit Unverständnis, Diskriminierung, Ausgrenzung und Hass begegenet wird.

Viele von euch wissen vielleicht, dass der Bremer Martini-Pastor, Olaf Latzel, vor wenigen Wochen in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt wurde, weil er sich über die inzwischen 13 Jahre seines Kirchenamts hinweg immer wieder in heftiger Weise homo- und transfeindlich geäußert hat. Dieses Beispiel steht symptomatisch für eine Haltung, die leider noch allzu weit verbreitet ist und neben der Kirche auch in vielen anderen Zweigen des öffentlichen Lebens noch verbreitet ist.

Pastor Latzel lehnt nicht nur in vollkommen rückständiger Art und Weise die Frauenordination in der evangelischen Kirche ab und vertritt klar anti-islamische Positionen, sondern äußert sich immer wieder mit großer Hartnäckigkeit vor allem gegen Schwule, Lesben und trans* Personen. 

Er spricht sich nicht nur seit Jahren für die Konversionstherapie aus, sondern bezeichnete in einem “Eheseminar” die Organisator*innen des Bremer CSD als “Verbrecher” und Homosexualität als “todeswürdiges Verbrechen”. Die Debatte um geschlechtliche Vielfalt tut er als “Gender-Dreck” ab. Auch setze er in einem Statement die Beziehung zwischen zwei Männern mit Zoophilie, also der sexuellen Hingezogenheit zu Tieren gleich. 

Latzel ist ein Pastor, der LGBTIAAQ+-Menschen, BIPOCs und Frauen diskriminiert, der gegen Abtreibung prädigt und sich deutlich gegen andere Religionsgemeinschaften ausspricht. Dies ist Gift für unsere moderne Gesellschaft und wir müssen uns dagegen wehren. 

Mittlerweile wurde bereits Strafanzeige gegen Olaf Latzel gestellt, es läuft ein Disziplinarverfahren der Bremischen Evangelischen Kirche gegen ihn und in mehreren Petitionen wurde versucht, eine Amtsenthebung zu erwirken. Bisher vergeblich. In einer Stellungnahme vom heutigen Morgen stellte der Vorstand der Martinikirche klar, eine Sanktionierung Latzels abzulehnen und im Falle einer Amtsenthebung Latzels dagegen protestieren zu wollen. Der Kirchenvorstand verwies darauf, dass gelebte Homosexualität laut “biblischer Schöpfungsordnung” ein “Greuel und schwere Sünde vor Gott” sei und bezeichnete die Ablehnung ebendieser Ordnung als Angriff auf Gott selbst. Praktizierte Homosexualität sei gegen den Willen Gottes. Die Öffnung anderer Kirchengemeinden gegenüber gleichgeschlechtlicher Liebe bezeichnete der Sprecher als “geistliche Auflösung”. Die Vorstellung, es gebe geschlechtliche Vielfalt abseits der binären Kategorien (cis-)Mann und Frau, sei ein “Diktat der gottlosen Genderideologie” und für die Gemeinde St. Martini undenkbar. Deutschland sei ein “heidnisches Land”, ein gottloses Land, und die Protestierenden, die sich in den letzten Wochen durch verschiedene Aktionen gegen die Hassreden des Pastors zur Wehr gesetzt haben, seien die wahren Täter*innen.

Diesen Umstand wollen wir als Verein und als Vertreter*in unserer Community nicht akzeptieren.  Wir appellieren an die Bremische Evangelische Kirche, Pastor Latzel keine weitere Möglichkeit mehr für Hasspredigten zu geben.